Brandenburgischer Baukulturpreis 2009 - Kategorie Ingenieurbau und Infrastruktur

Brücke in Rosengarten

Brücke in Rosengarten
Brücke in Rosengarten
Verfasser: 
Henry Ripke, Berlin – Henry Ripke Architekten
Thomas Krug, Potsdam – VIC Brücken und Ingenieurbau GmbH
Bauherr: 
Stadt Frankfurt (Oder)
Kommune: 
Frankfurt (Oder) OT Rosengarten

Die alte Betonbrücke wurde im Jahr 1912 /13 als Zweigelenkbogenbrücke über 5 Felder aus reinem Stampfbeton hergestellt. Sie zeigte schon in den 20 er Jahren Bauschäden. Nach langen Jahren eines befriedigenden Nutzungszustandes des Bauwerkes traten in den 90 er Jahren als Folge des erhöhten Verkehrsaufkommens, höherer Achslasten aber auch durch das Alter des Bauwerkes selbst gravierende Schäden auf. Es galt zwischen einem Ersatzneubau oder einer umfassenden Sanierung und Ertüchtigung des Bauwerks zu entscheiden. Im Rahmen der Voruntersuchungen zeichnete sich die Erhaltung großer Teile des Bestandsbauwerkes ab. Die zu erwartenden hohen Abbruchkosten sprachen für die Instandsetzungsvariante. Gemäß Brandenburgischem Landesamt für Denkmalpflege handelt es sich um die älteste und in ihrem historischen Baubestand umfänglich erhaltene Straßenbrücke im heutigen Frankfurter Stadtgebiet und hat als seltene Stampfbetonbrücke orts- und baugeschichtliche Bedeutung. Die Brücke ist eindrucksvoller Beleg für die bis zum ersten Weltkrieg als Alternative zu der eisenarmierten Betonbauweise oder Eisenskelettkonstruktion verbreitete Bauart der Stampfbetontechnik.

Mit ihrer gestalteten Betonsichtigkeit ist die Brücke zudem ein beispielhafter Vertreter der modernen Ästhetik der Materialsichtigkeit neuer Baustoffe, wie sie insbesondere im Ingenieur- und Industriebau der 1910 er Jahre zu künstlerisch eigenständigen Schöpfungen führte. Die zurückhaltenden Dekorationselemente sind kennzeichnende Merkmale des über den reinen Zweckbau hinausgehenden künstlerischen Anspruchs. Die Wandflächen der Bogenzwickel sind durch flache Blendfelder dekoriert, welche erhalten werden konnten. Die weiteren Außenflächen der Bögen besitzen dagegen keine Verzierung. Nicht erhalten werden konnten jedoch die stahlbewehrten Brüstungsmauern. Diese waren absturzgefährdet und nicht sicher bei Belastung durch Straßenfahrzeuge.
Die Jury ist überzeugt, dass die Entscheidung für die Erneuerung des Überbaus unter weitgehender Nutzung der denkmalgeschützten Bausubstanz im Gesamtkontext von Kosten und Verkehrsbedürfnissen, insbesondere der Bahn, aber auch der Straße, richtig war. Mit dem nunmehr erfolgten Umbau der Brücke konnte ein Denkmal der Baukultur nicht nur erhalten, sondern kann auch in vollem Umfang weitergenutzt werden. Damit ist die Brücke Rosengarten unter einer Vielzahl gesellschaftlicher Aspekte vorbildlich für das Zusammenwirken von Denkmalpflege, Architektur und Ingenieurbau. Es konnte ein Denkmal erhalten werden, welches Zeugnis sowohl von der Ingenieurbaukunst zum Anfang des 20. Jahrhunderts als auch von der Leistungsfähigkeit des heutigen Brückenbaus ablegt.