Baukulturpreis
2025

Die Eisenbahnüberführung Oder bei Küstrin

Architektur

Knight Architects

Bauherr/in

DB InfraGO AG, Infrastrukturprojekte Ost

Tragwerksplanung

Schüßler-Plan

Die Planung und der Bau der neuen Eisenbahnbrücke über die Oder bei Küstrin erfolgten in Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Bahn AG und der polnischen Staatsbahn PKP. Die Brücke ist Teil des Streckenerneuerungsprojekts „Ostbahn“ Berlin – Kostrzyn nad Odrą – Gorzów – Bydgoszcz, und wurde als staatsvertraglich geregeltes Grenzbauwerk umgesetzt. Die Küstriner Oderbrücke passt sich mit ihrer schlanken Form und Gestaltung ideal in das Landschaftsbild ein. Durch ihre Farbgebung bildet sie eine strahlende Landmarke in der weitläufigen Flusslandschaft, ohne die natürliche Umgebung zu dominieren. Sowohl die ästhetische Gestaltung als auch die technische Innovation machen dieses Bauwerk einzigartig und sind ein Sinnbild für das Zusammenwachsen Europas. Der 266 m lange Neubau der Brücke besteht aus einer 130 m langen zweigleisigen Netzwerkbogenbrücke und einer integrierten Vorlandbrücke. Das in Verbundbauweise ausgeführte Bauwerk besticht durch seine filigrane Eleganz und zeitlose Gestaltung bei höchster Leistungsfähigkeit. Durch perfekt ausgebildete Querschnittsübergänge an den Bogenfußpunkten gelang den Planenden eine harmonische Einbindung des Bogens in das Gesamtbauwerk. Durch den Einsatz vorgespannter Zugglieder aus Carbon anstelle herkömmlicher Flachstahlhänger konnte das Eigengewicht der Brücke wesentlich reduziert werden.
Aufgrund der hohen Zugfestigkeit der Carbonhänger und ihrer besseren Ermüdungsfestigkeit gegenüber Stahl ergaben sich gestalterische Möglichkeiten, die optimal genutzt wurden. Das filigrane und äußerst transparente Erscheinungsbild unterstreicht dies eindrucksvoll. Die Materialeinsparung und die besseren Eigenschaften der Zugglieder aus Carbon reduzieren die Baukosten und den Aufwand für die Unterhaltung des Bauwerks erheblich. Eine spezielle Verschubtechnik während der Montage vor Ort verkürzte die Bauzeit und verringerte den Eingriff in die Natur und Landschaft. Die Brücke ist für eine spätere Elektrifizierung vorgesehen. Insgesamt kann festgestellt werden, dass den Ingenieuren und Architekten mit dieser Brücke ein höchst innovatives, elegantes und modernes Bauwerk gelungen ist, das kosteneffizient umgesetzt wurde und einen hohen Wert für die europäische Infrastruktur darstellt.  Am 29. Juli 2024 erfolgte die Verkehrsfreigabe der Oderbrücke Küstrin nach mehr als 3 Jahren Bauzeit. Die Planungszeit erstreckte sich von 2016 bis 2024. Die Jury verlieh daher der Eisenbahnüberführung über die Oder bei Küstrin einstimmig den Brandenburgischen Baukulturpreis 2025.