Bad Belzig
Sonderpreis
2025

LIF - Leben im Fläming

Architektur

Praeger Richter Architekten GmbH

Bauherr/in

LiF eG Leben im Fläming

Tragwerksplanung

Projekt Bau Kluge UG

Landschaftsarchitektur

Gunnar Lange Landschaftsarchitekt

Fachingenieur:in

Planungsbüro Drobka GmbH

Weitere Beteiligte

Blue Monkey Engineering - Sohnrey und Zädow Ingenieure PartG mbB
Projektsteuerung Christoph Günther
Baumrausch GmbH & Co. KG
BPK Brandschutz Planung Klingsch GmbH
Akustikbüro Moll

Kommune / Genehmigungsbehörde

Bauamt Stadt Bad Belzig

Der Stadtrand von Bad Belzig ist durch eine lockere Einfamilienhausbebauung geprägt. Auf einem handtuchförmigen Baugrundstück werden im Gegensatz dazu vier zwei- bis dreigeschossige Veranda-Wohnhäuser und drei eingeschossige Gemeinschaftshäuser mit einer für diese Lage dichten Bebauung räumlich spannungsreich platziert. So entsteht ein gekonntes Wechselspiel aus gemeinschaftlichen Plätzen und abwechslungsreichen Landschaftsräumen. Damit wird der fortschreitenden Zersiedlung mit hohem Flächenverbrauch eine alternative Wohn- und Lebensform entgegengesetzt. 

Der tragende Gemeinschaftsgedanke kommt dabei vielfach zum Ausdruck und steht im Kontrast zu einem überbordenden Individualismus der gängigen benachbarten Einfamilienhausstrukturen. Das kollektive Bewusstsein ist in der regelbasierten soziokratischen Organisationsstruktur verankert, die bereits im Planungsprozess erfolgreich erprobt wurde und die nach dem Konsensprinzip die Mitarbeit sowie die gegenseitige Mitverantwortung und Teilhabe am neuen Lebensraum fördert. Hinzu kommt, dass die drei kollektiv finanzierten Gemeinschaftshäuser teils auch den Belzigern offenstehen. Jedes der Wohnhäuser nimmt bis zu 13 Einheiten auf, die in ihrer Größe von 48 bis 130 Quadratmeter variieren und zusammen mit dem Angebot der großzügigen Verandaräume im Lebenszyklus der rund 100 Bewohner eine gute Flexibilität darstellen sowie ein robustes Konzept für die Umsetzung von innovativen Wohnformen verspricht.

Es gelingt ein schlüssiges Bild eines zukünftigen Wohnquartiers mit hohem Anspruch an alle drei Teilaspekte der Nachhaltigkeit zu erzeugen. Die Konstruktion als vorgefertigter Holztafelbau mit Brettsperrholzdecken stellt sich in den Fassaden gestaltbildend dar, was eine warme und wohltuende Atmosphäre der räumlichen Situationen ermöglicht. Das ausgereifte ganzheitliche Konzept für Energie, Wasser und Flächen sowie die materialgerechte Holzkonstruktion mit lebenszyklusbasierter kreislaufgerechter Konstruktion setzen aktuelle Nachhaltigkeitsthemen vorbildlich um. Die Gebäude sind in ökologischer, verbundstoffarmer und dennoch wirtschaftlicher Holzbauweise errichtet. Das Ziel „zirkulär und fossilfrei Leben“ wird mit dieser Herangehensweise und der konsequent ökolog schen Bebauung eindrücklich umgesetzt. Hier manifestiert sich der hohe soziale und gesellschaftliche Anspruch der Bauherr:innen als Weiterentwicklung einer Genossenschaft. Insgesamt überzeugt das Konzept durch seine wohlproportionierte und sehr gut organisierte Gebäudestruktur, seine gemeinschaftsbildende und identitätsstiftende Grundanlage sowie die umfassend umgesetzten aktuellen Nachhaltigkeitsthemen.