Brandenburgischer Baukulturpreis 2013

Bibliothek im Kontor

Bibliothek im Kontor
Foto: Cordia Schlegelmilch
Bibliothek im Kontor
Verfasser: 
Dipl.-Ing. (FH) Bärbel Kannenberg, Wittstock/Dosse, Architektin BDA
Dipl.-Ing. Christian Kannenberg, Dipl.-Ing. Matthias Kannenberg Kannenberg Architekten BDA
Bauherr: 
Stadt Wittstock/Dosse
Kommune: 
Stadt Wittstock/Dosse

Im historischen Stadtkern von Wittstock wurde die Ecke eines Stadtquartiers wieder für das Leben in der Stadt fit gemacht. Das zweigeschossige Fachwerkhaus war ursprünglich Bestandteil einer Tuchmacherei.
Die Gebäudegruppe besteht aus vier unterschiedlichen Bauteilen, deren älteste Anlage, der kleine Gebäudeteil im Hof, wahrscheinlich bis in das späte 15. Jahrhundert zurück reicht. Die übrigen Gebäudeteile stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und sind weitgehend in Fachwerkbauweise errichtet. Die vielfältige Bau- und Nutzungsgeschichte des Hauses offenbart sich in der Raumstruktur der bürgerlichen Wohnsalons des 19. Jahrhunderts, dem alten Lastenaufzug im Dach, bedeutenden Wand- und Deckenfassungen, aufwändig gestalteten Holzfußböden und reichen Tapetenbefunden. Während der DDR-Zeit wurde der Gebäudekomplex unter einfachsten Bedingungen als Wohnhaus genutzt. Jahrelange Vernachlässigungen hatten der Bausubstanz stark zugesetzt.
Das Gebäude wurde mit der Stadtbibliothek wiederbelebt. Die Suche nach einem geeigneten Gebrauch war schon Bestandteil der intensiven Zusammenarbeit zwischen der Stadt Wittstock und den Architekten. Den Mut, dieses Denkmal und die öffentliche Nutzung zu verschmelzen, verspürt man beim Durchschreiten der Räume. Keiner der Teile wird durch den anderen dominiert. Behutsam und selbstbewusst sowie mit einer großen Präzision im Detail ist es den Architekten und den Ingenieuren gelungen, dem Haus eine Stimme zu geben. Wer genau hinschaut kann dessen vielgestaltige Geschichte lesen.
Die Raumstruktur der Bibliothek ist in der Reihung von Salons geplant, die einer der historischen Raumstrukturen entspricht. Vielfältig sind die Nutzungsangebote. Eine generationsübergreifende Lebendigkeit, ebenso wie Ecken der Stille für die Besinnung, werden dadurch bewirkt.
Mit der Sanierung wurden auch erkennbar zeitgenössische Ergänzungen ausgeführt. Diese sind im Maßstab und der Gestaltqualität herausragend gelungen, wie auch die zurückhaltende Innenraumgestaltung mit allen ihren Details.
Der Transformation dieses prägenden Fachwerkhauses in Wittstock für die Zukunft ist vorbildhaft gelungen. Es ist ein Beispiel für die kreative Kraft, die aus einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung, Nutzer, Architekten und Ingenieuren erwachsen ist.