Brandenburgischer Baukulturpreis 2019

Kleinsthäuser an der Kyritzer Stadtmauer – „tiny houses“ aus dem 18. und 19. Jahrhundert

 „tiny houses“ – Kleinsthäuser an der Kyritzer Stadtmauer
Foto: C. Schlegelmilch
 „tiny houses“ – Kleinsthäuser an der Kyritzer Stadtmauer
Verfasser: 
Architektur, Innenarchitektur und Tragwerk: Kannenberg & Kannenberg Architekten BDA und Ingenieure, Wittstock / Dosse
Landschaftsarchitektur: k1 Landschaftsarchitekten Kuhn Klapka GmbH, Berlin
HLS: Ingenieurbüro Walter & Partner GmbH, Neustrelitz
ELT: Ingenieurbüro für Elektroplanung Andreas Marquardt, Stüdenitz-Schönermark
Bauherr/in: 
Stadt Kyritz
Kommune: 
Stadt Kyritz

Die ehemalige Hansestadt Kyritz hat nach der Reformation viel ihrer ehemaligen Bedeutung verloren. Erst mit den preußischen Reformen Ende des 18. Jahrhunderts setzte in Kyritz wieder ein langsames Wachstum ein. Die ‚Budenhäuser‘ an der Kyritzer Stadtmauer sind Zeugen dieser Zeit. Diese Häuser, in denen auf dreißig Quadratmetern bis zu zehn Tagelöhner und Handwerker gelebt haben, sind ein Dokument einfachster, ärmster Verhältnisse. Materiell handelt es sich bei den Budenhäusern um einfache Konstruktionen aus lokalen Materialien (Ziegel und Putz für die Wände, Holz und Ziegel für die Dächer), ohne Ansprüche, aber gut gebaut. Die Budenhäuser waren bis in die Mitte der 1980er Jahre bewohnt, was angesichts des ruinösen Zustandes in 2015 kaum noch vorstellbar war. Dennoch gelang es, die Stadt als Bauherrin zu gewinnen und einen Kyritzer Hotelier für ein Nutzungskonzept zu begeistern. Mit dem Umbaukonzept wurde versucht, die Eigenarten der Einzelgebäude und die Originalsubstanz möglichst weitgehend zu erhalten. Der individuelle Innenausbau stellt eine nachhaltige Nutzung der extrem kleinen Grundrisse sicher und zeigt sich insgesamt als Zugabe der heutigen Zeit. So treffen sich in der Idee der tiny houses von Kyritz Geschichte und Gegenwart in einem völlig unterschiedlichen Verständnis von Freiheit. Aus dem Dokument einer kargen, notwendigen Genügsamkeit ist ein Ort geworden, der zum Nachdenken über das Thema Suffizienz in unserer Zeit anregt. In diesem Sinne repräsentieren sie Baukultur im allgemeinsten Sinne des Wortes.

Der Brandenburgische Baukulturpreis 2019 wird an die Menschen hinter den Kyritzer Kleinsthäusern verliehen, deren Mut und Begeisterung diese außerordentliche Neuinterpretation eines fast verlorenen Zeugnisses der Geschichte ermöglicht haben und die gezeigt haben, dass auch scheinbar kleine Bauaufgaben eine Positionierung zu den großen Fragen unserer Zeit ermöglichen.