Sonderpreis im Rahmen der Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis 2019

Schloss Cecilienhof

Schloss Cecilienhof, Potsdam
Schloss Cecilienhof, Potsdam
Verfasser: 
Architektur: Dipl.- Ing. Winfried Brenne, BRENNE ARCHITEKTEN GmbH, Berlin
Tragwerk: Ingenieurbüro Dr. Krämer GmbH, Weimar Prüfingenieur Brandschutz: Sachverständigenbüro Arnold, Weimar
TGA: KWH-Ingenieure, Brandenburg an der Havel
Schadstoffe, SIGEKO: NovaBiotec Dr. Fechter GmbH, Berlin
Bauherr/in: 
Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg
Kommune: 
Landeshauptstadt Potsdam

Als Teil des UNESCO-Weltkulturerbes „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ liegt das Schloss Cecilienhof im nördlichen Teil des Neuen Gartens. Der Gebäudekomplex wurde zwischen 1913 und 1917 vom Architekten Paul Schultze-Naumburg im Auftrag von Kaiser Wilhelm II. für das Kronprinzenpaar errichtet. Es ist das Letzte von den Hohenzollern erbaute Schloss und erhielt zusätzlich Bedeutung, da hier 1945 durch die Siegermächte des Zweiten Weltkriegs die Potsdamer Konferenz abgehalten wurde. Der weitläufige Baukörper wurde geschickt um fünf Höfe gruppiert und durch eine Untergliederung der im Tudorstil gehaltenen Fassaden so gegliedert, dass eine dem menschlichen Maßstab entsprechende Architektur erzeugt wurde, die nicht ins Monumentale abgleitet. Neben den qualitativ hochwertig gearbeiteten Sandstein und Putzoberflächen fallen besonders das aufwendig gearbeitete Fachwerkobergeschoss und die ausgedehnte Dachlandschaft ins Auge. Eine besondere Herausforderung bei der Sanierung des Gebäudes bestand im Umgang mit der erheblichen Belastung mit Holz- und Flammschutzmitteln. Die Hölzer des Dachstuhls waren durch Salzausblühungen extrem geschädigt, so dass eine Sicherung erst erprobt werden musste, um eine technisch und finanziell umsetzbare Lösung für die Sanierung zu erarbeiten. Dabei wurde auf Substanzerhalt höchsten Wert gelegt. Von den bauzeitlichen Biberschwanzziegeln konnten 60 % erhalten werden, wobei die neuen Ziegel nach detaillierten Vorgaben zu fertigen waren. Die Sanierung der Fenster war anspruchsvoll und wurde ebenfalls zuerst erprobt, bevor der Bestand insgesamt angefasst und dann behutsam repariert wurde.

Der hohe Anspruch bei der Sanierung, bei teils gravierender Schadenslage in den einzelnen Gebäudebereichen, soll mit dieser Auszeichnung gewürdigt werden. Die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte und der Substanz des Gebäudes hat zu einer sehr detaillierten Planung und daraus folgenden sensiblen Reparatur geführt. Dabei konnte der um 1917 nach dem neuesten Stand der Technik errichtete Bau nun, nach fast 100 Jahren, für die technischen Ansprüche unserer Zeit fit gemacht werden, wodurch die Betriebskosten deutlich gesenkt wurden. Der bereits von Schultze-Naumann formulierte Gedanke zur Inszenierung des Alterungsprozesses wurde aufgegriffen und dort, wo eine Patina durch notwendige Auswechslungen der Substanz nicht zu erhalten war, konnten Restauratoren durch geschickte Oberflächenbehandlung eine Patina nachstellen, die das Gesamterscheinungsbild des Schlosses harmonisch abrundet.