Nominierung im Rahmen der Auszeichnung mit dem Brandenburgischen Baukulturpreis 2019

Wasserturm am Park Sanssouci

Wasserturm am Park Sanssouci
Wasserturm, Potsdam
Verfasser: 
Architektur: Dipl.-Ing. Katrin Wirth, Daniel Alonso González, Wirth Alonso Architekten, Berlin
Tragwerk: Dipl.-Ing. (FH) Jan Schwochow Ingenieurbüro, Potsdam
Bauherr/in: 
Katrin Wirth
Kommune: 
Landeshauptstadt Potsdam

„Der alte Wasserturm verlor vor Jahrzehnten seine ursprüngliche Aufgabe: die Versorgung der Dampfloks mit Wasser. Aufgrund seiner privilegierten Lage zwischen Park Sanssouci und dem Wildpark steht der Turm unter Umgebungsschutz und ist trotz seines ruinösen Zustandes ein erhaltenswertes Bauwerk. Durch die Umnutzung zu einer Wohnung wurde der Turm wiederbelebt und ist nun Potsdams höchstes Einfamilienhaus.“ – (aus dem Bericht der Architekten.) Wohnen im Rundturm! – ein Kindheitstraum, der auch im gestandenen Preisgericht für leuchtende Augen und Neugier sorgt. Aber auch der zweite, kritische Blick befriedigt die Jury: hier ist ein bemerkenswert sensibler Umgang mit einem räumlich schwierigen Bestandsbauwerk zu würdigen. Die Abmessungen des Turms lassen nur sehr kleine Grundrisse zu, so dass die Wohnfläche von 130 m2 auf 6 ungleich-großen Ebenen verteilt ist, die jeweils auch einen Teil ihrer Fläche für die Erschließung opfern müssen. Es entsteht eine außergewöhnliche vertikale Raumfolge, die einen Aufstieg über unterschiedliche Treppen und Leitern, durch sehr unterschiedliche Räume bis zum Ausstieg durch eine Luke auf die offene Dachterrasse mit 360 ° Panoramablick bietet. Ganz oben schwebt das laternenförmige Stahlgerüst des ursprünglichen Dachs als Pergola.

Besonders hervorzuheben ist der respektvolle Erhalt der Bausubstanz. Die alten Oberflächen, vom Sichtmauerwerk über das Rautenblech der alten Stahltreppe bis hin zur genieteten Stahlblechkonstruktion des Wasserbehälters als Wohnzimmerwand, verleihen den Innenraumoberflächen haptischen Reiz und bewahren die Authentizität des Bauwerks. Das äußere Erscheinungsbild des Turms bleibt fast wie ursprünglich, mit Ausnahme der neuen Verkleidung des Wasserbehälters mit Trapezlochblech. Diese neue Materialität überzeugt, insbesondere weil sie einen Einblick in den ursprünglichen 2-schaligen Konstruktionsaufbau der Behälterwand gewährt und dabei vom lang andauernden Zwischenzustand der zerfallenden äußeren Schale erzählt, wo eben diese Eigenschaft der Konstruktion gut zu erkennen war.